FAQ

Sie wollen wissen, welche geflüchteten Personen Sie ausbilden oder beschäftigen können, wer zustimmen muss, wo Sie passende Bewerber/innen finden oder welche Fördermöglichkeiten es gibt? Diese und weitere Fragen finden Sie in unseren FAQ.

Welche geflüchtete Person darf eine Ausbildung bzw. Beschäftigung aufnehmen?

Einen ersten Anhaltspunkt bieten die Ausweisdokumente geflüchteter Personen. Sie liefern Informationen zur Beschäftigungserlaubnis und/oder deren Einschränkung. In den ersten drei Monaten des Aufenthalts in Deutschland nach Äußerung eines Asylgesuchs besteht ein generelles Beschäftigungsverbot. Darüber hinaus gilt wie folgt:

Geflüchtete mit Aufenthaltstitel (Anerkannte Flüchtlinge, Asylberechtigte, subsidiär Schutz-berechtigte u. Personen mit nationalem Abschiebeverbot): uneingeschränkte Beschäftigungserlaubnis und freier Zugang zum Arbeitsmarkt für die Dauer der Aufenthaltserlaubnis

Geflüchtete mit Aufenthaltsduldung oder Aufenthaltsgestattung: eingeschränkte Beschäftigungs-erlaubnis (s. Frage 2)

Asylbewerber/innen aus sicheren Herkunftsländern (aktuell: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal, Serbien), die ihren Asylantrag nach dem 31.08.2015 gestellt haben: Beschäftigungsverbot

Wer muss einem Beschäftigungsverhältnis zustimmen?

Auch diese Frage ist abhängig von der Beschäftigungsform und dem Aufenthaltsstatus der geflüchteten Person. Die untenstehenden Zustimmungsbedingungen beziehen sich auf das Land Berlin und Regionen, in denen die Vorrangprüfung vorübergehend ausgesetzt wurde.

Geflüchtete mit Aufenthaltstitel: keinerlei Zustimmung erforderlich

Geflüchtete mit Aufenthaltsduldung oder Aufenthaltsgestattung: 

Praktikum:

  1. Pflichtpraktikum, Einstiegsqualifizierung und freiwilliges Praktikum bis 3 Monate: Erlaubnis der Ausländerbehörde
  2. Freiwillige Praktika über 3 Monaten Dauer: Erlaubnis der Ausländerbehörde und Zustimmung der Agentur für Arbeit

Ausbildung:

  1. Schulische Ausbildung: keinerlei Erlaubnis oder Zustimmung erforderlich
  2. Berufliche Ausbildung: Erlaubnis der Ausländerbehörde

Beschäftigung:

Befristete und unbefristete Beschäftigung sowie Zeitarbeit: Erlaubnis der Ausländerbehörde und Zustimmung der Agentur für Arbeit

Selbstständige Tätigkeit:

Bei Geflüchteten mit Aufenthaltsduldung: Erlaubnis der Ausländerbehörde

Bei Geflüchteten mit Aufenthaltsgestattung: generelles Verbot    

Nach vierjährigem Aufenthalt im Bundesgebiet ist die Zustimmung der Agentur für Arbeit in der Regel nicht mehr erforderlich.

Darf eine andere Tätigkeit als die von der Ausländerbehörde genehmigte Tätigkeit ausgeübt werden oder der Arbeitsort gewechselt werden?

Ist die Beschäftigungserlaubnis auf eine Region beschränkt, muss der Wechsel in eine andere Region von der Ausländerbehörde genehmigt werden. Gleiches gilt für eine andere als die von der Ausländerbehörde genehmigte Tätigkeit.

Wo finde ich passende Bewerber/innen für Ausbildung und Beschäftigung?

Erster Ansprechpartner zum Thema Vermittlung Geflüchteter sind die Agentur für Arbeit (Arbeitgeber-Service / Team Asyl) und die Berliner Jobcenter. Darüber hinaus bieten insb. die ARRIVO-Teilprojekte ein Netzwerk aus branchenspezifisch bereits vorqualifizierten Geflüchteten, die einen Einstieg in Ausbildung und Beschäftigung suchen. Passende Bewerber/innen können außerdem auf online-Jobbörsen für geflüchtete Personen (z.B. Work-for-Refugees, Workeer gUG, MigrantHire UG oder Mygrade e.V.) und auf entsprechenden Berliner Karrieremessen gesucht und gefunden werden.

Was ist eine Einstiegsqualifizierung?

Eine Einstiegsqualifizierung ist ein nach § 54a SGB III gefördertes Langzeitpraktikum inkl. Berufsschulbesuch. Sie dient der Heranführung Ausbildungsinteressierter an eine Ausbildung im Betrieb und ist eine bewährte Methode und erster Schritt der Integration geflüchteter Personen in den Arbeitsmarkt. Die Einstiegsqualifizierung hat eine Dauer von 6-12 Monaten. Die Vergütung ist nicht an den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn gebunden. Die Agentur für Arbeit erstattet dem Arbeitgeber einen Anteil von aktuell 236 € pro Monat und einen Gesamtsozialversicherungsbeitrag von 116 €. Das Instrument ist kombinierbar mit anderen Maßnahmen, z.B. zur Förderung von zusätzlichem Deutsch- oder Förderunterricht.

Bei weiteren Fragen zu den Voraussetzungen und der Beantragung einer Einstiegsqualifizierung steht Ihnen das ARRIVO-Servicebüro gerne zur Verfügung.

Wie funktioniert das Anerkennungsverfahren ausländischer Qualifikationen?

Seit dem 1. April 2012 können im Ausland erworbene Berufsabschlüsse mit deutschen Berufsabschlüssen verglichen werden. Die Zuständigkeit der Anerkennungsverfahren liegt bei den zuständigen Stellen (z.B. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer), die für die entsprechende Berufsgruppe zuständig sind. Festgestellte Unterschiede zwischen in- und ausländischen Berufsabschlüssen können dann durch Weiterbildungen oder andere Ausgleichsmaßnahmen angepasst werden. Der Flyer zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bietet einen Überblick über Voraussetzungen, Vorgehensweise, Kosten und Dauer des Verfahrens. Zuständigkeiten können insbesondere mithilfe der Plattform www.anerkennung-in-deutschland.de identifiziert werden. Anerkennungsberatung in Berlin erhalten Sie bei der Zentralen Erstanlaufstelle Anerkennung des IQ Netzwerks oder direkt bei der zuständigen Stelle.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Vor der Ausbildung: Für Berufsorientierung und -Qualifizierung geflüchteter Personen vor einer Ausbildung können folgende Fördermöglichkeiten infrage kommen:

  • Perspektiven für Flüchtlinge (PerF), Perspektiven für junge Flüchtlinge (PerjuF), etc.
  • Einstiegsqualifizierung (EQ)
  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)

Für die Ausbildung geflüchteter Personen kommen folgende Fördermöglichkeiten infrage:

  • Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)
  • Assistierte Ausbildung (AsA)
  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Für die Beschäftigung geflüchteter Personen kommt aktuell folgende Fördermöglichkeit infrage:

  • Eingliederungszuschuss (EGZ)

Bei weiteren Fragen zu Fördermöglichkeiten, Voraussetzungen und Vorgehensweise stehen Ihnen die Agentur für Arbeit und das ARRIVO-Servicebüro gerne zur Verfügung.

Was bedeutet die Residenzpflicht und Wohnsitzauflage für die Arbeitsaufnahme?

Die sog. Residenzpflicht für Personen mit Aufenthaltsgestattung gilt nur für die ersten 3 Monate des Aufenthalts im Bundesgebiet, es sei denn, die Wohnpflicht in einer Aufnahmeeinrichtung besteht fort. In dieser Zeit gilt ein generelles Beschäftigungsverbot. Danach besteht die freie Wahl des Wohnortes, es sei denn die Ausländerbehörde ordnet Gegenteiliges an.

Die Wohnsitzauflage gilt für Personen, die Sozialleistungen beziehen. Sie besagt, dass Geflüchtete in den ersten drei Jahren ab Anerkennung oder Erteilung der Aufenthaltserlaubnis ihren Wohnsitz nicht frei wählen dürfen und ihren Wohnsitz in dem Land nehmen müssen, das für die Durchführung ihres Asylverfahrens zuständig ist. Die Wohnsitzauflage kann allerdings aufgehoben werden, wenn eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von mind. 15 Stunden pro Woche aufgenommen wird (§12a Abs. 5 Satz Nr. 1 AufenthG).

Wohnungssuche

Im Land Berlin unterstützt die Beratungsstelle des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) bei der Suche nach einer passenden Wohnung für geflüchtete Menschen. Alternativ können Unterkünfte über spezielle Wohnungsbörsen für Geflüchtete, wie z.B. „Flüchtlinge willkommen“ oder „Place4Refugees“ gesucht und gefunden werden.

Verringert der Arbeitsverdienst Leistungen gestatteter und geduldeter Personen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz?

Ja. Der Arbeitsverdienst wird auf die Leistungen, die sich aus dem Asylbewerberleistungsgesetz ergeben, angerechnet. Nähere Informationen erteilt das zuständige Sozialamt. Ein Anspruch auf Förderung im Rahmen einer Ausbildung bspw. führt zum Wegfall der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, kann jedoch durch einen Anspruch auf Wohngeld aufgestockt werden.

Was ist als Arbeitgeber bei Abbruch einer Ausbildung durch eine geflüchtete Person mit Aufenthaltsduldung zu beachten?

Das seit dem 06. August 2016 geltende Integrationsgesetz schafft neue Regelungen für Personen mit Aufenthaltsduldung, die ihre Ausbildung in Deutschland abbrechen. Der Ausbildungsbetrieb hat fortan den Abbruch unverzüglich innerhalb einer Woche nach unentschuldigtem Fernbleiben der Ausländerbehörde zu melden. Tut er dies nicht, handelt er ordnungswidrig nach § 98 Abs. 2b des Aufenthaltsgesetzes und kann mit einem Bußgeld von bis zu 30.000 € belegt werden.